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codename "attefa" - bundestrojaner im testlauf? Montag, 26. November 2007 00:14 · von meik Flattr this

über die online-bespitzelung durch staatliche stellen wird ja derzeit viel diskutiert. unter anderem stand der vorschlag im raum, gefälschte amtliche schreiben könnten die zielperson dazu veranlassen, einen anhang zu öffnen oder den trojaner ungewollt selbst aus dem internet nachzuladen. ob das hessische ministerium für wissenschaft und kunst hier innovativ voranschreitet?

immerhin ist hessen schon oft vorreiter in verwandten belangen gewesen. dort wird z.b. bereits der lukrative markt um anfallende straftäter erschlossen, indem man gefangene im privatknast einmietet (wo sie wahrscheinlich genauso als "kunden" gesehen werden, wie es heute für studiengebührenzahlende und arbeitslose üblich ist).

...ask questions later

am 8. oktober verschickte das ministerium jedenfalls eine presseeinladung, in der zu einer "Duskussionsveranstaltung" (kleiner typo im betreff -- es menschelt ;-)) über "orchideenfächer" eingeladen wurde. da die vorgeblich zu diskutierende "zentrenbildung" bereits gemachte sache ist, es also eigentlich gar nichts mehr zu diskutieren gab, handelte es sich dabei wohl eher um eine werbeveranstaltung für den kurs des ministeriums (noch dazu mit dem zeitlich verwirrenden titel "orchideenfächer im jahr 2020 -- geisteswissenschaftliche zentrenbildung in hessen heute"). doch obacht -- bei den zentren geht es um ostasienstudien, oseuropaforschung und orientwissenschaften (sic!).

butterfahrt

man kann natürlich fragen, warum ostasien, osteuropa und der orient ausgerechnet heute als bildungsorchideen durchgehen (und von verteilten hochschulstandorten unter verlust existierender infrastrukturen an drei universitäten "zentriert" werden -- müßte man dies zynisch vielleicht sogar als eine art bildungspolitischer ghettoisierung betrachten, die 2020 ihre vollendung findet?). aber vor allem im orient, das bekommen wir von der weltelite seit längerem erklärt, da wirke irgendwo die achse des bösen. wer sich für so eine veranstaltung interessiert, könnte also durchaus im raster der anti-terror-ermittlungen hängen bleiben. alles wilde spekulation, zugegeben.

operation "attefa"

aber dann fiel mir die signatur der mail auf:

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
 <C:\DOKUME~1\Krombach\LOKALE~1\Temp\\attefa40.gif>
Rheinstraße 23-25
65185 Wiesbaden


potztausendnocheins -- kommt so demnächst der bundestrojaner? welches geheimnis birgt der codename attefa? wird die technik noch ausgefuchster, so daß man von außen -- ganz unbemerkt -- direkten zugriff auf eine manipulierte gif-datei im temporären ordner eines servers im ministerium erhält? oder sind wir nur zeugen einer mail-panne? wähnt sich das ministerium selbst symbolträchtig nur temporär verortet? man weiß es nicht. gott, was sind das für spannende zeiten...

hübsch angerichtet: "jede wahrheit braucht einen mutigen..."

inzwischen weht eh eine rauhe brise durch hessen: in der faz vom 20. november 2007 packte unlängst einer aus, der wohl weiß, wovon er spricht. der ehemalige marburger professor plaggenborg kann nun, nachdem er seinen arbeitsplatz zeitgemäß mobil nach bochum verlegte, aus dem nähkästchen plaudern, entzaubert die o.g. zentrenbildung als musterbeispiel für bildungspolitische fehlentscheidungen, bezichtigt den marburger uni-präsidenten der falschaussage und gibt herrn corts zum besten, wie dieser bereits einräumt, er wolle ja gar nicht wissenschaftsminister sein. keine frage, in hessen, dem selbsternannten "bildungsland nr. 1", sind die hochschulen absolute chefsache.

über die dargestellte hinter-den-kulissen-werkelei scheint sich auch niemand mehr zu wundern -- die leser/innen-reaktionen jedenfalls sprechen unterm strich für sich. eine stellungnahme des ministeriums vermisse ich dagegen -- auf der homepage steht zumindest auch tage später nichts. das wundert mich insofern, als daß corts' pr-abteilung nach der veröffentlichung unseres gebührenrechners bereits nach wenigen stunden bemüht war, die berechnungen zu korrigieren.

update (28.11.2007)

in der oberhessischen presse reagiert der marburger anglistik-professor rüdiger zimmermann auf die ausführungen plaggenborgs:

wer selber die Chancen eines möglichen Osteuropa-Zentrums in Marburg mit zu Grabe getragen hat, [sollte] nicht den Gießener und Marburger Zentren gegenüber Rufschädigung betreiben
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